Autorenbegegnungen beim Rheinischen Lesefest „Käpt’n Book“:

Drei Lesungen für unsere Schülerinnen und Schüler im Herbst 2026

Gleich drei Lesungen bereicherten in diesem Jahr das Schulleben am HHG. Den Auftakt machte am 28.9. eine Lesung mit dem bekannten Jugendbuchautor Christian Linker. Er las unseren fünf 6. Klassen, insgesamt etwa 150 Schülerinnen und Schülern, aus seinem Roman Fische sind scheiße im Kulturzentrum Hardtberg vor.

Zuvor galt es, eine kleine Herausforderung zu meistern: Alle Klassen schafften es, in der ersten Pause den Weg durch die Duisdorfer Fußgängerzone zu bewältigen und pünktlich um 10 Uhr zur Lesung zu erscheinen! Die Spannung war groß, zumal der Autor sein junges Publikum von Anfang in die Veranstaltung einbezog und sogar den Roman, aus dem er anschließend las, per Abstimmung auswählen ließ. In diesem geht es um den 11-jährigen Jungen Till, dessen überforderter Vater ins Krankenhaus kommt. Till wird in einer Wohngruppe untergebracht, und zwar ohne seinen geliebten Hund Flocke – Haustiere sind in der „Villa Lotte“ nämlich nicht erlaubt, nur langweilige Fische. Eine Katastrophe für Till! Bei der geplanten Rettungsaktion aus dem Tierheim stellt sich heraus, dass Flocke bereits an eine perfekte Vorzeige-Familie vermittelt wurde. Gemeinsam mit seinem neuen Freund Pawel reist Till schließlich bis nach Holland der Familie hinterher, um den Hund „zu befreien“. Bei seiner Lesung gelang es Christian Linker auf eine sehr sympathische Art, das große Publikum mit der verrückten und sehr humorvollen Geschichte zu begeistern. Im Anschluss durften dem Autor noch viele Fragen gestellt werden. Auf dem Rückweg zur Schule flitzte ein Junge aus der 6d übrigens besonders schnell und rief: „Ich muss der Erste in der Schulbibliothek sein, damit ich das Buch ausleihen und das Ende der Geschichte erfahren kann!“

Als Nächstes standen gleich zwei Lesungen mit dem erfolgreichen Autor Jörg Isermeyer an, der in unserer Schulaula zu Gast war. Während er den fünf 5. Klassen eine gute Woche später seinen Roman Alles andere als normal vorstellte, besuchten unsere vier 7. Klassen am 29.9. eine Lesung zu seinem mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis ausgezeichneten Roman Egal war gestern.

Mehrere Passagen las Jörg Isermeyer aus dem Roman, der Themen wie Alltagsrassismus und Zivilcourage aufgreift, vor. Für das junge Publikum gab es viele vertraute Anknüpfungspunkte: Die Mechanismen von rassistischen Shitstorms und digitaler Hetze einerseits sowie Zivilcourage und mutiges Verhalten andererseits. Während des Vortrags herrschte im Raum eine aufmerksame, konzentrierte Stille, bevor der Autor die Runde für Fragen öffnete. Die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit und fragten nach Details zur Geschichte, aber auch nach dem Arbeitsalltag als Schriftsteller. Jörg Isermeyer antwortete offen und gab den Klassen einen realistischen Einblick in die Praxis des Schreibens.

Auf die Frage, wie lange man an einem solchen Roman schreibt, erfuhren die Jugendlichen, dass von der ersten Idee über die Recherche bis zum fertigen Buch oft viele Monate, manchmal sogar ein bis zwei Jahre Arbeit vergehen. Man brauche für diesen Beruf einen langen Atem, so Isermeyer.

Besonders interessant war Jörg Isermeyers Antwort auf die Frage, wie viele Stunden am Tag er schreibt. Er erklärte den Klassen, dass er meistens nur ein paar Stunden täglich am eigentlichen Text sitzt und sich danach anderen Dingen widmet. Das Entwickeln einer Geschichte sei geistig sehr anstrengend, da man beim Schreiben ununterbrochen Entscheidungen für die Figuren und den Verlauf der Handlung treffen müsse. Nach einigen Stunden sei die Konzentration dann einfach erschöpft.

Die gelungene Begegnung mit dem Autor und seinem Werk verschaffte den Jugendlichen einen Einblick in Social-Media-Dynamiken und brachte den Beruf des Schriftstellers greifbar näher.

Mindestens genauso gelungen war die letzte der drei Lesungen am 7.10.: Mit hochgekrempelter Jeans und baumelnden, nackten Füßen saß der Autor Jörg Isermeyer ganz entspannt auf dem Tisch der Aula, bevor er mit verstellter Stimme und beeindruckenden schauspielerischen Qualitäten loslegte: Ob energisches Räuspern, ein Star Wars-Klingelton mit Jabba-Lauten oder die lautstarken Vorwürfe eines „Ich bin zum Knuddeln“-T-Shirt-Trägers – die Handlung des aufregenden Romans Alles andere als normal wurde auf der Bühne zum Leben erweckt. Gespannt folgten die Kinder der Geschichte von Lukas, dem behüteten Einzelkind mit überbesorgter Mutter, und Jule, bei der es zu Hause „nicht so toll ist“, u.a. weil sie ihr Zimmer mit ihrem 16-jährigen Bruder teilen muss, der am Telefon im Gespräch mit Jules Klassenlehrer allerdings hervorragend die Stimme der Mutter imitieren und so Jules Schuleschwänzen kaschieren kann… Über eine Stunde gelang es dem Autor mit seiner großen Bühnenpräsenz, die Aufmerksamkeit des jungen Publikums zu fesseln, bevor die Fragerunde eingeleitet wurde. Am Ende stürmten die Kinder nach vorne, um eine der begehrten Autogrammkarten zu ergattern oder gleich das Taschenbuch zu kaufen.

Wir danken Christian Linker für die fantastische Lesung im Kulturzentrum (und Wolfgang Groß für die Organisation) sowie Jörg Isermeyer für den zweifachen Besuch unserer Schule mit lebhaften Lesungen und offenen Antworten! Ein herzliches Dankeschön gilt außerdem dem Orga-Team von „Käpt’n Book“!